Die mitgliederstärksten Sportvereine des Landkreises Leipzig waren zum traditionellen Meinungsaustausch mit dem Kreissportbund eingeladen. Rund 40 Vereinsvertreterinnen und -vertreter folgten der Einladung in die Sport- und Kulturstätte „Johannes Wiede“ in Trebsen an der Mulde.

KSB-Präsident Andreas Woda begrüßte die Teilnehmenden und dankte ihnen für ihr großes ehrenamtliches Engagement. Er betonte den hohen Stellenwert der ehrenamtlichen Arbeit für den organisierten Sport und das gesellschaftliche Leben im Landkreis. Der Kreissportbund verstehe sich als basisnahe und ganzheitlich arbeitende Servicestelle für die Sportvereine. Ziel sei es, die Vereine frühzeitig zu begleiten und zu unterstützen. Dabei gelte der Grundsatz, möglichst präventiv tätig zu werden, anstatt erst bei akuten Problemen beratend eingreifen zu müssen.

Im Anschluss gab der Präsident des Landessportbundes Sachsen, Dr. Frank Pfeil, einen Einblick in aktuelle Themen und Herausforderungen des organisierten Sports in Sachsen. Er erläuterte die Entwicklungsstrategie des Landessportbundes für den Sächsischen Sport bis 2029. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Lobbyarbeit für den Sport sowie der sächsische Landeshaushalt und die damit verbundene Finanzierung des Sports.

Dr. Pfeil verwies in diesem Zusammenhang auf die Stellung der Kultur in Sachsen. Die Kulturförderung ist gesetzlich verankert. Aus seiner Sicht sollte auch der Sport langfristig eine stärkere gesetzliche Absicherung erfahren. Er sprach sich dafür aus, die Förderung des Sports als gesetzlichen Auftrag zu stärken und durch ein Sportfördergesetz verlässlich und nachhaltig abzusichern.

Herausforderungen des Vereinssports im ländlichen Raum

Im Mittelpunkt des gemeinsamen Austausches stand die Frage: Welchen Herausforderungen stehen unsere Sportvereine im ländlichen Raum aktuell gegenüber und welche Erwartungen und Wünsche bestehen gegenüber dem Landessportbund und dem Kreissportbund? Die Vereinsvertreterinnen und -vertreter brachten zahlreiche Themen aus ihrer täglichen Arbeit ein:

Sportstätten – Probleme bei Hallennutzung und steigender Sanierungsstau

Ein Schwerpunkt der Diskussion war die Sportstättensituation. Sowohl bei den verfügbaren Kapazitäten als auch beim baulichen Zustand der Sportstätten bestehen innerhalb des Landkreises zum Teil erhebliche kommunale Unterschiede. Kritisch angesprochen wurden insbesondere steigende Hallennutzungsgebühren. Aus Sicht der Vereinsvertreter sollte zumindest das Training für Kinder und Jugendliche kostenfrei ermöglicht werden. Zudem bestehen teilweise Einschränkungen bei der Nutzung kommunaler Sportstätten. So ist beispielsweise in einigen Hallen keine Nutzung an Sonntagen möglich. Probleme entstehen ebenfalls bei notwendigen Sanierungen. Werden Sporthallen vorübergehend geschlossen, stehen den betroffenen Vereinen häufig keine ausreichenden Ersatzkapazitäten zur Verfügung. In der Folge müssen Trainings- und Sportangebote teilweise vollständig ausfallen. Die Vereine wünschen sich hier eine stärkere Unterstützung und verlässlichere Abstimmung durch die Kommunen. Darüber hinaus wurde darauf hingewiesen, dass Verzögerungen bei Planungs- und Baugenehmigungsverfahren dazu führen können, dass Förderfristen nicht eingehalten werden und bewilligte beziehungsweise vorgesehene Fördermittel gefährdet sind. Der Kreissportbund wird 2027 zu einem der Städte- und Gemeindetage die Themen der Sportvereine mit den Bürgermeistern der Kommunen im Landkreis diskutieren und die Interessen der Vereine vertreten.

Ausführlich diskutiert wurde die sogenannte Sportmilliarde. Aus dem Landkreis Leipzig wurden 33 Anträge gestellt. Damit verzeichnete der Landkreis das höchste Antragsaufkommen aller Kreis- und Stadtsportbünde in Sachsen. Dennoch wurde kein Antrag aus dem Landkreis berücksichtigt. Von den Vereinsvertretern wurde deshalb der Wunsch geäußert, die Verteilung finanzieller Mittel nachvollziehbarer und fairer zu gestalten. Dr. Pfeil kritisierte, dass bei dem Verfahren keine sportfachliche Bewertung der Anträge erfolgt sei. Er bezeichnete dies als „Bankrotterklärung an das Verfahren zur Vergabe der Sportmilliarde“. Offen blieb zudem die Frage, wie mit einer möglichen zweiten Tranche verfahren wird. Insbesondere besteht Klärungsbedarf, ob bereits eingereichte Anträge übernommen werden oder ob Vereine beziehungsweise Kommunen erneut Anträge stellen müssen.

Ehrenamt und gesellschaftliche Anerkennung

Ein weiterer Schwerpunkt war die Stärkung des Ehrenamtes im Sport. Die Vereinsvertreter machten deutlich, dass ehrenamtliches Engagement mehr öffentliche und politische Aufmerksamkeit sowie Anerkennung benötigt. Als konkrete Ansatzpunkte wurden unter anderem Auszeichnungen für ehrenamtlich Engagierte sowie Verbesserungen bei steuerlichen Rahmenbedingungen wie dem Übungsleiterfreibetrag und der Ehrenamtspauschale genannt. Auch das Thema Bildungszeit wurde im Zusammenhang mit der Qualifizierung und Unterstützung ehrenamtlich Tätiger angesprochen. Aktuelle Informationen zur Umsetzung in Sachsen ab 2027 fehlen derzeit.

Nachwuchs- und Spitzensport

Thematisiert wurde außerdem die Unterstützung junger Spitzensportlerinnen und Spitzensportler. Für entsprechende individuelle Förderbedarfe bestehen über die Strukturen von KSB, SSB und LSB nur begrenzte beziehungsweise keine direkten Fördermöglichkeiten. Hier wurde weiterer Handlungsbedarf gesehen, um talentierte Nachwuchssportlerinnen und -sportler und deren Vereine besser unterstützen zu können.

Kinderschutz im Sportverein

Auch der Kinderschutz im Sportverein war Bestandteil des Austausches. Die zunehmenden Anforderungen an Vereine und ehrenamtlich Verantwortliche machen Information, Sensibilisierung, klare Strukturen und fachliche Unterstützung erforderlich. Der Kreissportbund Landkreis Leipzig entwickelt derzeit passgenaue Angebote für die Sportvereine zur Umsetzung im Sportverein. Der Kinderschutz bleibt damit ein wichtiges Aufgabenfeld für die Sportvereine sowie für die unterstützenden Strukturen des organisierten Sports.

Mobilität im ländlichen Raum

Die Mobilität ist eine Gelingensfaktor für Sportangebote im ländlichen Raum. Weite Fahrwege und schlechte Anbindungen durch den Öffentlichen Personennahverkehr erschweren die Vereinsarbeit im ländlichen Raum sehr. Verein wünsche sich mehr Unterstützung, z.B. um die Erreichbarkeit der Trainingsstätten zu verbessern sowie bei Fahrten zu den Wettkämpfen.

Strategie 2025–2029 des Landessportbundes Sachsen

Des weiteren wurde die auf dem letzten Landessporttag verabschiedete Strategie 2025–2029 thematisiert. Gemeinsam wurde erörtert, welchen Beitrag die Strategie dazu leisten kann, den Vereinssport konkret zu unterstützen und die Rahmenbedingungen für Sportvereine nachhaltig zu verbessern. Dabei wurde deutlich, dass strategische Zielsetzungen insbesondere dann einen Mehrwert für die Vereine entfalten, wenn sie sich in konkreten Verbesserungen vor Ort widerspiegeln. Dazu gehören verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen, bedarfsgerechte Sportstätten, die Stärkung und Entlastung des Ehrenamtes sowie eine starke politische Interessenvertretung des organisierten Sports.

Zusammenarbeit mit der Politik und Sportförderung

Die Teilnehmenden sprachen sich für eine engere Zusammenarbeit zwischen organisiertem Sport und Politik aus. Hintergrund ist unter anderem, dass Fördermöglichkeiten für den Sport an verschiedenen Stellen reduziert werden. Die Vereine wünschen sich daher eine starke Interessenvertretung durch den Kreis- und Landessportbund sowie einen kontinuierlichen Dialog mit politischen Entscheidungsträgern auf kommunaler und Landesebene. Seine Position zur Bedeutung des Sports für die Gesellschaft fasste Dr. Pfeil mit den Worten zusammen: „Wer glaubt, dass er beim Sport sparen kann, macht sich die Grundlage für unsere Gesellschaft kaputt.“

Fazit und Ausklang

Der rund eineinhalbstündige fachliche Austausch zeigte, dass die Sportvereine im Landkreis Leipzig vor vielfältigen Herausforderungen stehen. Besonders deutlich wurden die Themen Sportstätten und Hallenkapazitäten, Finanzierung und Förderverfahren, Stärkung des Ehrenamtes, politische Interessenvertretung, Nachwuchsförderung sowie Kinderschutz. Gleichzeitig unterstrich die Diskussion die Bedeutung des direkten Austausches zwischen den Vereinen, dem Kreissportbund und dem Landessportbund. Im Anschluss an die Beratung wurde die Tagung bei einem gemeinsamen Abendessen fortgesetzt. Dieses bot den Teilnehmenden Gelegenheit, einzelne Themen zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und miteinander ins persönliche Gespräch zu kommen. Der traditionelle Meinungsaustausch der Großsportvereine machte erneut deutlich, wie wichtig der kontinuierliche Dialog zwischen der Vereinsebene und den Strukturen des organisierten Sports ist, um Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.