Beim Neuseensport-Talk am 30. April im Kulturkino Zwenkau diskutierten Staatsministerin Christiane Schenderlein, Landrat Henry Graichen, Ruder-Olympiasieger Philipp Wende, der Vorsitzende des SV Tresenwald Machern, Tony Porsch und 1. Geschäftsführer des Kreissportbundes, René Schober über die aktuellen Herausforderungen des Sports im Landkreis Leipzig. Im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion standen die Situation der Sportstätten sowie die Rahmenbedingungen für das Ehrenamt im Vereinssport.

Die Teilnehmer machten deutlich, dass sich der Sanierungsstau bei Sportstätten im Landkreis Leipzig weiter verschärft. Aufgrund der angespannten Haushaltslagen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene können derzeit vielerorts notwendige Bau- und Sanierungsvorhaben nicht umgesetzt werden. Die Förderung investiver Maßnahmen durch die Landesregierung wurde aufgrund der Haushaltslage derzeit komplett gestrichen. Für das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ wurden allein aus dem Landkreis Leipzig 33 Anträge eingereicht, jedoch keiner bewilligt. In ganz Sachsen erhielten lediglich sechs Projekte eine Zusage. Das Programm war insgesamt 7,75-fach überzeichnet. Einzig die LEADER-Förderung ist eine Möglichkeit, Baumaßnahmen gefördert zu bekommen.

Parallel dazu steigt der Bedarf an Sportangeboten weiter an. Die Mitgliederzahlen im Landkreis Leipzig wachsen kontinuierlich, der Organisationsgrad liegt inzwischen erstmals bei über 18 Prozent. Aktuell sind 47.556 Menschen in Sportvereinen des Landkreises aktiv. Viele Vereine führen bereits Wartelisten, weil Hallenzeiten und Sportflächen fehlen. Deshalb wurde neben der Verbesserung der Sportstättensituation auch eine bessere Vergabe und Nutzung von Hallenzeiten gefordert – insbesondere die stärkere Öffnung von Schulsporthallen für den Vereinssport.

Positiv hervorgehoben wurde, dass der Landkreis Leipzig, der sich sehr für die Sportstrukturen einsetzt, derzeit gemeinsam mit dem Kreissportbund und der Agentur Beratungsraum ein neues Sportstättenkonzept erarbeitet. Dieses wird nach Fertigstellung allen 30 Kommunen als Grundlage für Sportförderanträge dienen und langfristig eine bessere Entwicklungsplanung ermöglichen.

Die Diskussionsrunde machte deutlich, dass der Investitionsrückstand ein ernsthaftes Zukunftsrisiko darstellt – mit möglichen Folgen wie dem Wegfall von Angeboten, Aufnahmestopps für neue Mitglieder, einer zunehmenden Belastung des Ehrenamts und einem Verlust an Lebensqualität insbesondere im ländlichen Raum.

Im zweiten Themenblock stand das Ehrenamt im Mittelpunkt. Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass Engagement bereits im Kindes- und Jugendalter gefördert werden müsse. Junge Menschen sollten früh erfahren, wie wichtig und erfüllend es ist, Verantwortung für andere zu übernehmen und sich für die Gemeinschaft einzusetzen.

Zugleich brauche das Ehrenamt bessere Rahmenbedingungen. Übungsleiter, Vorstände und ehrenamtliche Helfer müssten stärker entlastet und wertgeschätzt werden. Dazu gehören moderne und digitale Vereinsstrukturen, einfachere Verwaltungsabläufe, weniger Bürokratie und leichter zugängliche Fördermittel. Auch steigende Kosten für Energie, Mobilität und Ausbildungen stellten viele Vereine vor große Herausforderungen – insbesondere in ländlichen Regionen.

Die Gesprächsteilnehmer betonten außerdem die immense gesellschaftliche Bedeutung der Sportvereine. Vereine seien weit mehr als Orte für Bewegung und Wettkampf: Sie übernehmen wichtige soziale Aufgaben, fördern Demokratieverständnis, Teamgeist und Fairplay und wirken Vereinsamung entgegen. Das Ehrenamt brauche deshalb vor allem eines: Ermöglichung statt Überregulierung.

Zum Ende der Podiumsdiskussion gabe es noch einige Wortmeldungen aus dem Publikum, die regionale Beispiele für die aktuell schwierige Lage benannten.

Es ist mit dem Veranstaltungsformat schlussendlich gelungen, Staatsministerin Schenderlein auf aktuelle Problemlagen in den Sportstrukturen hinzuweisen und ihr aufzuzeigen, wo Handlungsbedarf besteht.