Wie können Sportvereine demokratische Werte stärken, Beteiligung fördern und Ausgrenzung verhindern? Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 30 Engagierte aus Sportvereinen, weiteren Vereinen und Organisationen des Landkreises Leipzig am 28. Oktober 2026 bei der Tagung „Sport mit Haltung – Beteiligung leben und Ausgrenzung verhindern“ im Alten Kranwerk in Naunhof. Die Veranstaltung wurde von der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Leipzig und dem Kreissportbund Landkreis Leipzig durchgeführt.

Vereine sind mehr als Orte des Sports

Sportvereine leisten einen unverzichtbaren Beitrag für das gesellschaftliche Miteinander. Sie bringen Menschen unterschiedlicher Generationen, Herkunft und Lebenswelten zusammen, schaffen Zugehörigkeit und vermitteln Werte wie Fairness, Respekt, Solidarität, Fairplay und Verantwortung. Gleichzeitig sind sie wichtige Lernorte der Demokratie: Hier können Mitglieder mitentscheiden, Verantwortung übernehmen, unterschiedliche Meinungen aushandeln und Gemeinschaft aktiv gestalten.

Diese besondere gesellschaftliche Bedeutung der Vereine stand im Mittelpunkt der Veranstaltung, die von Ricardo Glaser moderiert wurde.

Zur Eröffnung betonte Kreissportbund-Präsident Andreas Woda die wichtige Rolle funktionierender Sportvereine als Orte der Begegnung, der Gemeinschaft und der gelebten Wertevermittlung.

Haltung zeigen und extremistischen Einflüssen begegnen

Einen fachlichen Impuls setzte der Wissenschaftler Daniel Duben mit seinem Vortrag über extremistische Einflüsse auf Fußballfanszenen in Deutschland. Am Beispiel der Ultraszene, einer der größten jugendkulturellen Subkulturen Deutschlands, beleuchtete er Herausforderungen und Ansatzpunkte für eine wirksame Präventionsarbeit im Fußball.

Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, demokratische Werte im Vereinsalltag aktiv zu leben, Diskriminierung und Ausgrenzung frühzeitig entgegenzutreten. Sportvereine tragen hier eine besondere Verantwortung – und verfügen zugleich über große Potenziale, Menschen zu erreichen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

Beteiligung macht Vereine lebendig und stärkt die Demokratie

Im anschließenden Workshop mit Catherina Just vom Projekt „Im Sport verein(t) – Teilhabe erleben“ des Landessportbundes Sachsen rückten die Teilnehmenden die demokratische Gestaltung des Vereinslebens in den Mittelpunkt.

Gemeinsam beschäftigten sie sich mit der Frage, wie Mitglieder stärker in Vereinsstrukturen und Entscheidungsprozesse eingebunden werden können und welche Bedeutung echte Mitgestaltung für die Förderung demokratischer Kompetenzen hat.

Ein zentraler Gedanke der Diskussion war dabei, Sportvereine nicht allein als Anbieter sportlicher Dienstleistungen zu verstehen, sondern als lebendige soziale Gemeinschaften, die von der Beteiligung und dem Engagement ihrer Mitglieder getragen werden.

Denn Vereine leben davon, dass Menschen nicht nur Angebote nutzen, sondern selbst aktiv werden, Ideen einbringen und Verantwortung übernehmen. Wo Mitglieder mitgestalten können, entstehen Identifikation, Zusammengehörigkeit und die Bereitschaft, sich langfristig ehrenamtlich zu engagieren.

Gerade angesichts der Herausforderungen bei der Gewinnung und Bindung Ehrenamtlicher sind offene, transparente und demokratische Vereinsstrukturen deshalb ein entscheidender Schlüssel für eine zukunftsfähige Vereinsentwicklung.

Starke Vereine für eine starke Demokratie

Die Tagung machte deutlich: Demokratie beginnt nicht erst in Parlamenten oder politischen Institutionen. Sie wird überall dort gelebt, wo Menschen gemeinsam Entscheidungen treffen, Verantwortung füreinander übernehmen und respektvoll miteinander umgehen.

Andreas Woda sagt dazu: „Vereine sind dafür wichtige Orte – gerade im ländlichen Raum, wo sie häufig eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen Leben spielen.

Umso wichtiger ist es, Vereine darin zu unterstützen, Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen, ehrenamtliches Engagement attraktiv zu gestalten und eine offene Vereinskultur zu fördern, in der Ausgrenzung keinen Platz hat.“

Die Veranstaltung bot neben fachlichen Impulsen auch Raum für Austausch, Reflexion und neue Perspektiven auf die eigene Vereinsarbeit. Sie stärkte das Bewusstsein dafür, dass lebendige Vereine weit mehr leisten als die Organisation von Sport- und Freizeitangeboten: Sie schaffen Gemeinschaft, ermöglichen demokratische Erfahrungen und tragen wesentlich zu einer solidarischen und vielfältigen Gesellschaft bei.

Ein gelungener Abend mit einer wichtigen Botschaft: Wer Vereine stärkt, stärkt das gesellschaftliche Miteinander – und damit auch die Demokratie vor Ort.